Der kantonale Reformprozess KirchGemeindePlus

Das Projekt HoSt22 steht im Kontext des kantonalen Reformprozesses KirchGemeindePlus – ein inhaltlich-visionäres Entwicklungsprojekt mit dem Ziel, die reformierten Kirchgemeinden im Kanton Zürich längerfristig vital und zukunftsfähig zu behalten. Die Idee ist, dass die kirchliche Arbeit in einem regionalen Raum mehr Gestaltungsmöglichkeit, Vielfalt und Kreativität erlaubt als in vielen einzelnen Kirchgemeinden, die alle mehr oder weniger daselbe Programm machen. Davon erhoffen sich die Projektverantwortlichen eine lebensweltliche Wende in der kirchlichen Arbeit, also dass die Kirche ganz nah ist an den aktuellen Lebenswelten der Mitglieder – in den Quartieren, in den Fragestellungen und an den Treff- und Brennpunkten des Lebens. Auf der Projektseite www.kirchgemeindeplus.ch sind viele Beispiele von erfolgreichen Kirchgemeinde-Zusammenschlüssen dokumentiert – ausserdem inhaltlich-theologische Grundlagen-Dokumente sowie konkrete Ideen für den kreativen Gestaltungsraum, der entsteht, wenn zwei oder drei oder zehn Kirchgemeinden gemeinsam wachsen. Bereits gibt es 17 erfolgreiche Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden im Kanton Zürich mit insgesamt über 80 Kirchgemeinden (von ursprünglich 170 Kirchgemeinden sind es jetzt noch 110 – und es werden weniger), die den Schritt nach Abwägung aller Argumente gemacht haben. Beispiele sind zu finden unter: http://www.kirchgemeindeplus.ch/gemeindepraxis/zusammenschluesse/

Zusammenschluss im Eulachtal

Gute Erfahrungen mit einem Zusammenschluss hat zum Beispiel die neue Kirchgemeinde Eulachtal gemacht.

Die gemeinsame, neue Kirchenpflege hat viel Energie entwickelt und ist mit Kreativität und Schwung dabei, die neue Kirchgemeinde vital zu gestalten.

Neun Kirchgemeinden im Säuliamt wagen das ZusammenWachsen

Ein grosses Projekt ist im ländlichen Gebiet des Säuliamts vorangeschritten. Dort schliessen sich 9 Kirchgemeinden zusammen zur Kirchgemeinde Knonauer Amt. Die letzten Schritte werden derzeit gemacht. Es ist viel Engagement zu spüren und die Gestaltung des kirchlichen Lebens in einer Region mit verschiedenen kirchlichen Orten und Formen ist kreativ.

Was bei allen 17 Zusammenschlüssen im Kanton Zürich zu sehen ist: An der Urnenabstimmung vom 27. September 2020 haben die Mitglieder der neun Kirchgemeinden Aeugst a. A., Affoltern a. A., Bonstetten, Hausen a. A., Hedingen, Maschwanden, Mettmenstetten, Ottenbach und Rifferswil die geplante Fusion mit 68 bis 87 % JA-Stimmen-Anteil deutlich angenommen.

Zusammenarbeitsvertrag führt zu Bürokratie und sinnlosen Sitzungsmarathons: Die Erfahrung der Kirchgemeinden im Weinland

Die Kirchgemeinden Benken, Marthalen, Trüllikon-Truttikon, Ossingen, Rheinau haben seit Jahren gesagt, dass sie eine vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit vorziehen und sie haben einen umfangreichen Vertrag geschlossen. Nach nur zwei Jahren haben sie gemerkt: Die Verdoppelung aller Gremien hat zu sinnloser Bürokratie geführt. Als Beispiel: In jeder Kirchgemeinde gab es eine Jugendkommission. Diese bestanden fort. Gleichzeitig wurde aber eine neue Jugendkommission über alle Kirchgemeinden hinweg gegründet, welche die Koordination sicherstellen musste.

Derselbe Mechanismus wurde bei der Kirchenpflege und bei vielen weiteren Kommissionen angewendet. Ausserdem sahen die Kirchgemeinden, dass sie bei den kleinsten gemeinsamen Projekten (wenn es etwa um 20% regionale Anstellung einer Person ging) sowohl auf der gemeinsamen Ebene einen Beschluss brauchten, wie auch in jeder Kirchgemeinde. Die Akteure der Kirchgemeinden sassen nur noch an Sitzungen und konnten die inhaltliche Arbeit nicht mehr erbringen. Deshalb haben sie sich nun für eine Fusion. Und zwar – nach den Erfahrungen – schnell und überzeugt. Die Stimmbevölkerung hat mit 85 bis 92% JA-Stimmen zugestimmt.

Wissenschaftliche Studie zu KirchGemeindePlus: Zwischenbilanz zeigt hohe Zufriedenheit bei betroffenen Mitarbeitenden

Wie gut ist die reformierte Kirche im Reformieren?
Eine externe Begleitforschung beobachtet den Reformprozess «KirchGemeindePlus» der
Reformierten Landeskirche und ihrer Kirchgemeinden. Jetzt liegen ein erster Zwischenbericht und Empfehlungen für Nachbesserungen vor.
Seit 2012 ist die Reformierte Kirche des Kantons Zürich auf dem Weg, sich zukunftsfähiger auszurichten: Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden sollen Kräfte bündeln und neue Räume schaffen,
damit die Kirche das Gemeindeleben vielfältig und nahe bei den Menschen gestalten kann. Das ist
die Vision des von Kirchensynode und Kirchenrat angestossenen und mit dem Titel «KirchGemeindePlus» versehenen Prozesses. Ein Grossteil der Kirchgemeinden hat sich ihm in den letzten Jahren angeschlossen und treibt ihn in eigener Verantwortung voran.

Wie gut ist der Reformprozess bisher gelungen? Inwiefern wurden die angestrebten Wirkungen
erreicht? Was bedeutet er für Mitglieder, Freiwillige, Mitarbeitende und Behörden? Und wie kann
der Prozess noch besser gefördert und gesteuert werden?

Interessant ist zum Beispiel, dass die Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden in Zusammenschluss-Kirchgemeinden besser ist als in vereinzelt bleibenden Kirchgemeinden. Der Zwischenbericht macht verschiedene Empfehlungen, die der kantonale Prozess nun aufnimmt und die auch für die Gestaltung von lokalen Zusammenschlüssen interessant ist.

Die Studie in einer Lang- und einer Kurzfassung kann hier heruntergeladen werden: http://www.kirchgemeindeplus.ch/zwischenergebnisse-begleitforschung/

Am 1.1.2022 gibt es im Kanton Zürich noch 111 Kirchgemeinden. 2012 waren es noch 176!

In den letzten zehn Jahren hat sich die Einsicht im Kanton Zürich durchgesetzt, dass in Fragen der alltagsnahen und zukunftsfähigen Gestaltung von Kirche vor Ort eine regionale Perspektive verheissungsvoller ist als eine kleinräumige und damit begrenzte Perspektive. Ausserdem zeigte sich in den zehn Jahren, dass die Region einen neuen Spielraum eröffnet für kirchliche Vielfalt.

Auch Kirchgemeinden, die ursprünglich nur verbindliche zusammen arbeiten wollten, haben inzwischen gemerkt, dass eine regionale Perspektive nur dann sinnvoll ist, wenn eine Kirchgemeinde mit einer Kirchenpflege entsteht. Innerhalb dieser Regionen kann aber die kirchliche Arbeit sehr lokal organisiert werden – entsprechend dem Bedarf der reformierten Kirchen-Mitglieder.

Bassersdorf-Nürensdorf, Brütten und Lindau werden die Kirchgemeinde Breite: Kreativität ein Jahr vor dem Zusammenschluss

Wichtige Bestandteile der neuen Kirchgemeinde
werden die drei Ortskirchen sein: Das kirchliche Leben
vor Ort soll weiterhin individuell und vielfältig gestaltet
werden. Die lokale Bevölkerung soll dabei mitreden
und mitwirken.

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Aktuelles

Vision/Ziel des Zusammenschlusses: Präambel des Zusammenschlussvertrags der beiden Kirchgemeinden

«Der Zusammenschluss beider Kirchgemeinden stärkt die kirchliche Vielfalt und ein von Freiwilligen mitgestaltetes kirchliches Leben vor Ort.

Die Angebote entsprechen den Bedürfnissen der Mitglieder und der Ortsteile sowie der Vielfalt der Lebenswelten.

Gottesdienste am Sonntag und Feiern im Lebenszyklus (Taufe, Konfirmation, Trauung, Abschied) finden weiterhin in beiden Ortskirchen statt.

Die Organisation und Verwaltung werden optimiert.

Zwei Kulturen begegnen sich auf Augenhöhe und öffnen sich, um organisch «zusammenzuwachsen» und zusammen zu wachsen».

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Aktuelles

Stellungnahme der Projektgruppe HoSt22 auf Vorwürfe einer Gruppe „Skeptiker“:

Andere Meinungen zulassen

Wir sind an einer offenen Diskussion interessiert. Und kritische
Büchsengespräche bekommen Platz im «reformiert.lokal». Wollen Sie Ihre Meinung mit Bild und Wort kundtun? Melden Sie sich bei Andreas Erni (andreas.erni@kirchestaefa.ch).

Die Mitarbeitenden bringen sich kritisch und konstruktiv in das Projekt HoSt22 ein. Das Stäfner Pfarrteam hat der Kirchenpflege loyales Verhalten zugesichert. Sorge bereiten würden uns allfällige Versuche, Mitarbeitende gegen die Behörden auszuspielen.

Demokratisches Vorgehen

Demokratisches Vorgehen heisst für uns, dem Auftrag der Kirchgemeindeversammlungen Folge zu leisten und ein Szenario «Zusammenschluss» auszuarbeiten. Ein Stäfner Zusatzantrag, weitere Varianten der Kooperation auszuarbeiten, wurde im September 2019 deutlich verworfen, auch aufgrund eines dezidierten Votums einer Pfarrperson. Sorge bereiten uns allfällige Versuche, die Behörden nicht nur als undemokratisch, sondern auch als inkompetent oder uninformiert zu diffamieren. Sie leisten im HoSt22-Prozess eine riesige und professionelle Arbeit und sind bemüht, über die Informationsanlässe hinaus mit Fragenden im Kontakt zu bleiben.

Überleben der Kirche

Es geht nicht um das Überleben der Kirche. Das liegt in Gottes Hand.
Es geht um eine vernünftige Organisation einer zukunftsfähigen Kirchgemeinde. Ein Zusammenschluss kann durch freiwerdende «Bündelungsenergien» gerade Raum für den Gemeindebau, für die «Botschaft der Pfarrleute» und für die Tatkraft aller Berufsgruppen schaffen. Die Exekutiven sind daran, den organisatorischen Richtungsentscheid zur Abstimmung zu bringen und den Mitgliedern Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Wie ihnen ist auch den Behörden wichtig, dass alle Stimmberechtigten diesen Entscheid gut informiert fällen können.

Idee:

 

Um eine lebendige Kirchgemeinde zu sein, dürfen wir uns nicht „kleinkarriert“ abgrenzen, sondern öffnen und die Chancen sehen, die ein Zusammenschluss mit sich bringt. Chancen, andere interessante Menschen in unseren Zug einsteigen zu lassen und diese auf die Reise zu neuen Abenteuern mitnehmen.

Rita Collet