Faktencheck

Die Gegner des Zusammenschlusses der Kirchgemeinden Stäfa und Hombrechtikon wiederholen gebetsmühlenartig, dass der Veränderungsprozess eine reine Strukturveränderung und eine „inhaltsleere“ Idee sei. Ausserdem wird behauptet, dass der Prozess KirchGemeindePlus von der Kirchensynode als reine Struktur- und Verwaltungsreform ohne theologische Inhalte bezeichnet worden sei. Als Gegenmodell sehen die Gegner eine Rückbesinnung auf die theologischen Inhalte.

Hier der Faktencheck 1:

  1. Im Prozess des Zusammenschlusses der Kirchgemeinden Stäfa und Hombrechtikon gab es eine Projektgruppe und mehrere Arbeitsgruppen, die sich um die inhaltliche Seite des Prozesses kümmerten. Gemäss der Gemeindeseite (Ausgabe 02.01) in der Zeitschrift reformiert. gab es folgende Arbeitsgruppen mit inhaltlichen Aufträgen: Gottesdienst und Musik (mit Beteiligung der Pfarrpersonen Monika Götte und David Jäger, ausserdem war der Organist beteiligt); Diakonie und Seelsorge (mit Beteiligung der Pfarrer Ueli Flachsmann und Martin Scheidegger, sowie dreier Sozialdiakonischer Mitarbeitender); Kirchlicher Unterricht – Kind/Jugend/Familie (mit Beteiligung von Pfarrerin Diana Trinkner und Pfarrer David Jäger sowie Sozialdiakonin Christa Klaus); Gemeindeaufbau und Vision (mit Beteiligung von Pfarrer Michael Stollwerk und leitendem Sozialdiakon Peter Baldini). Die theologisch ausgebildeten Profis der Kirchgemeinde hatten also jede Gelegenheit, den Prozess inhaltlich zu gestalten und ihre theologische Expertise einzubringen. Wenn die Gegner jetzt von einer inhaltsleeren Idee sprechen, dann werden sie kaum die Beiträge der Beteiligten meinen. Das Dokument ist hier zu finden: https://www.kirchestaefa.ch/bericht/2111
  1. Der kantonale Reformprozess KirchGemeindePlus hat sich immer als inhaltlicher Aufbruchprozess für Innovation und Bewegung der Kirche des Kantons Zürich gesehen. Das ist nachzulesen in den entsprechenden Synodeberichten, die der Kirchensynode vorgelegen haben, z.B. jener von 2016 (hier nachzulesen https://www.zhref.ch/…/zhref-kirchgemeindeplus…/view). Ausserdem gibt es Dutzende von Dokumenten, die den theologischen Gehalt des Reformprozesses reflektieren (z.B. hier: http://www.kirchgemeindeplus.ch/…/downloads/theologisches/) Sie wurden publiziert und sind öffentlich. Ausserdem gibt es seit Jahren eine Reihe von Bildungsveranstaltungen und Tagungen zu inhaltlichen Aspekten von Fusionsprozessen (Tagungsunterlagen der Tagung „Start-up Kirche, im März 2019 in Zürich https://tocco-nice-awpf.objects.rma.cloudscale.ch/d17f36ab83dea946cf6bc443dc4db1770b489176940deb27aa6f13ad15fd6bea?response-content-disposition=inline%3B%20filename%2A%3DUTF-8%27%27Tagungsheft%2520Start-up%2520Kirche%25202018&X-Amz-Algorithm=AWS4-HMAC-SHA256&X-Amz-Date=20210208T165804Z&X-Amz-SignedHeaders=host&X-Amz-Expires=900&X-Amz-Credential=Y1LZB76UYUDATPL9RK7M%2F20210208%2Fus-east-1%2Fs3%2Faws4_request&X-Amz-Signature=b73a6f7048937ef086b3bfee5fc7ee3b16a710557fc73f94c49c7c6da0df6be2) Es gibt seit längerem eine breite theologische Diskussion im deutschsprachigen Raum zu Aufbruchprozessen in regionalen Räumen. Die Forschung zeigt, dass kleinräumige, parochiale Strukturen eher hinderlich sind – genauso übrigens wie riesige. Die Region als Gestaltungsraum hingegen hat sich als Weg für Innovation und Aufbruch, Kreativität und Nähe zu den Menschen erwiesen (z.B. hier: https://www.mi-di.de/…/regiolokale-kirchenentwicklung.pdf)
  1. Innovation und Aufbruch gelingt nur, wenn Inhalt und Form verändert werden. In der bestehenden Struktur sind immer wieder auch innovative Formen möglich – allerdings stark abhängig von einzelnen Pfarrpersonen. Momentan ist die Situation im Kanton Zürich klar: Die Kirchgemeinden halten alle an einem mehr oder weniger ähnlichen Programm fest – selbst wenn sie kleiner werden und weniger Mittel zur Verfügung haben. Das führt letztlich zum Burnout aller Beteiligter. Mit dem Zusammenschluss von Kirchgemeinden zu einem regionalen Raum eröffnet sich ein Raum, um Dinge künftig anders zu gestalten und dadurch mehr Kreativität und Vielfalt, damit auch mehr Nähe zu Menschen, zu erhalten. Die Entwicklung der Pfarrstellen richtet sich im Kanton Zürich nach dem Mitgliederstand. Das heisst, dass alle Pfarrstellen Stück für Stück reduziert werden. Ein Beharren auf den bestehenden Strukturen ist kein Kampf für Inhalte, sondern ein strukturkonservativer Versuch, mit weniger Mitteln um jeden Preis alles aufrecht zu erhalten. Die Rückbesinnung auf «theologische Inhalte» entpuppt sich so als inhaltlich leeres Beharren auf den bestehenden Strukturen. Paradox – aber interessant.
  1. Die Pfarrpersonen als theologische Expert/innen in den Kirchgemeinden haben die Aufgabe, theologische Inhalte einzubringen in allen Prozessen der Kirchgemeinde. Sie haben auch Zugang zu den oben beschriebenen Dokumenten und Informationen der Kantonalkirche. Offenbar haben sie diese Kenntnisse nicht in den Prozess eingebracht. Oder die Gegner des Prozesses wurden von ihnen schlecht informiert.

Fazit: Der Faktencheck zeigt klar, dass die Behauptung der Gegner falsch ist, der Zusammenschluss der Kirchgemeinden Stäfa und Hombrechtikon sei ein inhaltsleerer, nicht theologisch reflektierter und rein struktureller Prozess.

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Die Gegner/innen des Zusammenschlusses behaupten immer wieder, dass den Pfarrer/innen der Kirchgemeinde Stäfa ein Maulkorb verpasst worden sei. Und sowieso habe die Kirchenpflege den kritischen Stimmen kein Gehör geschenkt. Diese Behauptungen sind mit dem Vorwurf verknüpft, die Kirchenpflege spalte dadurch die Kirchgemeinde willentlich und es sei unrechtmässig, von den Mitarbeitenden Loyalität abzuverlangen. Wir überprüfen diese Aussagen.

Hier der Faktencheck 2:

Zuerst zum Vorwurf des Maulkorbs von Mitarbeitenden. Alle Mitarbeitenden hatten während des zweijährigen Entwicklungsprozesses des Projekts die Möglichkeit, sich zu äussern und mitzugestalten. Davon zeugt zum Beispiel die Besetzung der Arbeitsgruppen. In jeder der sieben Arbeitsgruppen, die den Inhalt der neuen Kirchgemeinde Stäfa-Hombrechtikon entwickelten, waren Mitarbeitende der Kirchgemeinde Stäfa vertreten. In jeder! Die genaue Zusammensetzung ist hier zu finden: http://www.kirchestaefa.ch/dok/8476 Die Stäfner Pfarrpersonen (Michael Stollwerk, Monika Götte, Diana Trinkner, Martin Scheidegger) waren in sechs der sieben Arbeitsgruppen vertreten. Ausserdem ist Michael Stollwerk in der Projektgruppe des Projekts vertreten. Dort hatten alle Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge einzubringen und das Projekt mitzugestalten. Wenn sie in gewissen Ansichten unterlegen sind, ist das kein Fehler des Prozesses, sondern ein demokratisches Grundgesetz, dass in solchen Projektgruppen ein Meinungsbildungsprozess stattfindet und am Schluss ein Resultat erzielt wird, das im Einzelnen nicht von allen Projektgruppen-Mitgliedern geteilt wird. Die Projektgruppen-Mitglieder sind dann fair und demokratisch unterwegs, wenn sie diesen Prozess anerkennen und darauf verzichten, eine allfällig abweichende Einzelmeinung auf anderem Weg zur Geltung zu bringen. Auf jeden Fall gilt: Nur weil sich eine persönliche Meinung nicht durchgesetzt hat, ist der Prozess selber nicht fehlerhaft.

Dasselbe gilt für den generellen Vorwurf der Gegner/innen, dass die Kirchenpflege Stäfa den Gegner/innen nicht genügend Gehör geschenkt hat. Dieser Vorwurf ist nachweislich falsch. Die Kirchenpflege Stäfa hat an mehreren, sogenannten Palaver-Veranstaltungen (nach einem afrikanischen Brauch, das gesamte Dorf in eine Diskussion einzubeziehen) allen verschiedenen Meinungen Raum gegeben. Der Prozess dauerte zwei Jahre und es gab mindestens vier Veranstaltungen, an der alle reformierten Kirchenmitglieder eingeladen worden sind, mitzudenken und mitzudiskutieren. (Zwei Info-Veranstaltungen am 17. und 19. Juni 2019; Info-Anlässe im Frühjahr 2020; Treffen mit Gegner/innen im Sommer 2020; drei Diskussionsanlässe im November 2020). Ausserdem erteilte die Kirchgemeindeversammlung Stäfa nach einer ausgedehnten Diskussion am 8. September 2019 ein offizielles Mandat, um ein Zusammenschlussprojekt auszuarbeiten. An einer demokratischen Entscheidung kann man aus persönlichen Gründen zwar das Resultat kritisieren, aber der Kirchenpflege unlauteres Vorgehen und einen fehlerhaften Prozess vorzuwerfen, ist nicht möglich. Der Prozess war transparent und sauber konzipiert. Es wurde von der Kirchenpflege jederzeit klar kommuniziert, wie der Prozess steht und wie das Verfahren ist. Die Gegner/innen fühlen sich nicht gehört, weil ihre Idee – alles so zu belassen, wie es ist – nicht umgesetzt wird. Auch hier muss gesagt werden: Nur weil meine Meinung – in einem demokratischen Prozess – nicht umgesetzt wird, ist der Prozess noch lange nicht fehlerhaft. Im Umkehrschluss bedeutete dies ja, dass nur die Meinung der Gegner/innen legitim wäre.

Zum Schluss eine Beobachtung zum Vorwurf, die Pfarrer/innen von Stäfa hätten einen Maulkorb erhalten. Erstens hat die Kirchenpflege eine anonyme Umfrage unter allen Mitarbeitenden gestartet. Es zeigt sich, dass die grosse Mehrheit der Mitarbeitenden den Zusammenschluss befürwortet, weil sie neue Gestaltungsräume sehen und Lust haben auf Zusammenarbeit. Zweitens ist es so, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer gemäss Kirchenordnung des Kantons Zürich an das Kollegialitätsprinzip gebunden sind. Sie nehmen teil an jeder Sitzung der Kirchenpflege und haben alle Möglichkeiten, ihre Meinung und ihre theologische Expertise in den Meinungsbildungsprozess einzubringen. Wenn aber dieser Prozess abgeschlossen ist und die Kirchenpflege einen Beschluss gefasst hat, dass sind die Pfarrerinnen und Pfarrer an diesen Beschluss gebunden. Sie können nicht öffentlich gegen ihre eigene Kirchenpflege und Arbeitgeberin Stellung beziehen. Trotzdem haben sie das an der Kirchgemeindeversammlung vom 8. September 2019 gemacht. Sie haben ihre Argumente gegen ihre eigene Kirchenpflege geäussert – und sind demokratisch unterlegen. Dass sie jetzt offenbar weiter die Behauptung streuen, sie hätten einen Maulkorb erhalten, ist absurd. Sie sind an das Kollegialitätsprinzip gemäss ihrer Arbeitgeberin gebunden und sie konnten ihre Meinung an der entscheidenden Versammlung kundtun.